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... innovative Startups im Interview

21.08.2017 / von energieloft, Florian Feuer

dezera ist das Startup der Woche 34. Der Direktvermarkter für Flexibilität.

Schon lange liest man unter dem Schlagwort "Demand Side Integration" von dem Konzept Verbraucher und deren Flexibilität in den Strommarkt zu integrieren. Doch fernab von theoretischen Konzepten fehlt es bisher an praktikablen Lösungen insbesondere für kleinere und mittlere Verbraucher. Das Startup dezera hat sich auf den Weg gemacht, um diese Lücke zu schließen. Matthias Kühl, einer der Gründer, verrät uns im Interview mehr über die Pläne von dezera.
Guten Morgen Matthias, freut uns, dass du uns berichtest, was ihr mit der Flexibilität von Verbrauchern vorhabt. Zum Einstieg, wie stellst du dezera in einem Satz vor?

Gerne, Florian! dezera bietet Lösungen, um die Flexibilität von Stromverbrauchern und -erzeugern in den kurzfristigen Stromhandel zu integrieren und so von Preisschwankungen auf den Spotmärkten zu profitieren.

Sehr interessant! Wie funktioniert eure Lösung im Detail?

dezera entwickelt und betreibt eine dezentral strukturierte Plattform zur Planung und Steuerung von flexiblen Stromverbrauchern und Erzeugern für deren Optimierung im Kurzfristhandel und treten so die Rolle des Direktvermarkters für Flexibilität an. Ziel der Flexibilisierung ist es, durch die Beeinflussung des Stromverbrauchs oder auch der lokalen Stromerzeugung einen Mehrwert zu erzielen. Dafür werden einzelne Anlagen phasenweise in ihrem Stromverbrauch beeinflusst oder kontinuierlich preisoptimiert betrieben. dezera übernimmt hierbei alle technischen Aufgaben, um flexible Anlagen gezielt für eine Handelsoptimierung auf den kurzfristigen Spotmärkten zu planen und zu steuern. Dabei setzen wir auf einen maximalen Automatisierungsgrad, der es ermöglicht, flexible Anlagen auch im kleinen und mittleren Leistungsbereich für eine Handelsoptimierung nutzbar zu machen.
Viele unterschiedliche technische Anlagen besitzen das Potenzial, flexibel auf Preisänderungen zu reagieren. Je nach Prozess und je nachdem, in welcher Form die Energie letztendlich benötigt wird, ergeben sich andere Einschränkungen, die bei der Planung und Optimierung zu berücksichtigen sind. Unsere Algorithmen ermöglichen eine kontinuierliche und präzise Bedarfsprognose und erlauben es eine Vielzahl verschiedener Restriktionen bei der Optimierung zu berücksichtigen, um die nahtlose Integration bis in den automatisierten Handel zu ermöglichen.

Danke für die sehr verständliche Erklärung. Das Thema Flexibilität ist in vieler Munde. Mit welchem Alleinstellungsmerkmal wollt ihr euch in dem zukünftigen Markt der Flexibilität positionieren?

Anders als andere haben wir uns sehr früh auf die Entwicklungen bzw. den Bedarf für Flexibilität im Kurzfristhandel konzentriert. Im Gegensatz zu der Vermarktung von Flexibilität für die Regelleistung sehen wir hier bei steigendem EE-Ausbau einen deutlich höheren Bedarf. Im Gegensatz zur Regelleistungsbereitstellung und -erbringung steht hier jedoch die Fähigkeit zur Planbarkeit von Flexibilität im Vordergrund, als die reine reaktive Ansteuerung von Flexibilität, was uns von Anbietern aus dem Bereich Demand Response unterscheidet. Gerade um von Preisschwankungen im kontinuierlichen Handel profitieren zu können, ist es unabdingbar, leistungsfähige Prognosemethoden zu beherrschen. Zudem ist dies auch wichtig, um eine voll automatisierte Integration in den Energiehandel zu realisieren und so dem etablierten Rollenmodell der Energiewirtschaft gerecht zu werden. Andere Anbieter versuchen hier eine neue Rolle des "Aggregator" zu etablieren, um sich von dem Energiehändler und -Versorger abzugrenzen, wir haben uns von Anfang an auf die Entwicklung von Lösungen konzentriert, die eine Integration in den etablierten Prozess der Energieversorgung und -Beschaffung ermöglichen.

Okay, hört sich nach einer guten Positionierung an. Wie sieht für einen Direktvermarkter für Flexibilität das Geschäftsmodell aus?

Die eigentliche Wertschöpfung entsteht im Energiehandel durch gezielte Handelsgeschäfte, die von dezera bestimmt werden. Dies kann z.B. die Anweisung sein, bereits beschaffte Energiemengen zu Zeiten eines sehr hohen Börsenpreises zu verkaufen und diese zu einem späteren Zeitpunkt mit deutlich niedrigerem Börsenpreis wieder einzukaufen. Die entstandenen Erlöse verrechnet dezera mit dem Energiehändler und teilt sich diese im Anschluss mit dem jeweiligen Anlagenbetreiber.

In welchen Strom- und Kundenmärkten wollt ihr euch bewegen? Gibt es Anlagen, bei denen ihr besonders viel Potenzial seht?

Energiewirtschaftlich adressieren wir alle drei Spotmärkte (Day-Ahead, Intraday-Auktion und insbesondere den kontinuierlichen Handel).
Derzeit sehen wir große Potenziale in den Bereichen Wärme- und Kältecontracting in der Wohnungswirtschaft aber auch im Bereich der Großindustrie. Hier stehen anlagenseitig vor allem dezentrale KWK-Anlagen, Pumpen und Kälteanlagen im Vordergrund.

Und wo steht ihr gerade dabei, diese Flexibilitätsmärkte zu erobern?

Derzeit arbeiten wir intensiv an der Pilotierung unserer ersten Demonstratoren in dem Bereich KWK, um die Effizienz unserer Plattform unter Beweis zu stellen. Als assoziierter Partner in dem SINTEG Projekt NEW4.0 befinden wir uns in der Projektierung einer flexibilitätsbasierten Energiebeschaffungsoptimierung.

Seed-Phase (vor Gründung)
StartUp-Phase (Unternehmensgründung)
Go-to-market (Markteinstieg)
Growth-Phase (Wachstumsphase)
Later-Stage

Matthias, vielen Dank für das sehr informative Interview. Unsere Leser dürfen bei Interesse an dem Thema sehr gerne auf euch zukommen. Das Interesse an weiteren Pilotprojekten habt ihr auch noch mal als Projektidee im Projektmarktplatz hinterlegt.



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